Laufverrückt und kompetent: Marcel Leuze, Deutscher Meister und LUNGE-Fachberater

Exklusives Interview mit Extremsportler Marcel Leuze (32), zweifacher Deutscher Meister im 24-Stunden-Lauf 2018 und Fachberater bei LUNGE DER LAUFLADEN in Hamburg-Barmbek

Herzlichen Glückwunsch, Marcel! Du bist Anfang September beim BUF (Bottroper Ultralauf Festival) mit 237,205 Kilometern Deutscher Meister im 24-Stunden-Lauf geworden. Das Jahr davor hast du den Titel bereits in Gotha gewonnen. Wie war das Rennen organisiert?

Die Strecke in Bottrop war eine Runde von 1,25 Kilometern. Die sind wir von 12 Uhr Mittags bis zum nächsten Tag um 12 Uhr immer im Kreis gelaufen. Am Start waren 106 Männer und 47 Frauen. Pausen kann sich jeder nach Bedarf nehmen und gestalten. Ich halte immer nur kurz zum Essen bzw. Trinken an oder um auf die Toilette zu gehen. Ich wechsele auch weder Schuhe noch Klamotten, sondern versuche stur ein Tempo von etwa 6 Minuten pro Kilometer also etwa 10 km/h zu halten - auch nachts. Denn Gewinner ist natürlich der, der am Ende am meisten Kilometer gelaufen ist.

Sind die 237,205 Kilometer dein persönlicher Rekord?

Nein, das waren 242 Kilometer bei der Europameisterschaft in Rumänien. Da wurden die Zeiten der drei besten 24-Stunden-Läufer aus einem Land zusammengezählt. Unser deutsches Team hat den dritten Platz geschafft. Mein Ziel in Bottrop war eigentlich, die 250-Kilometer-Marke zu knacken. Aber ich bin mir sicher, das demnächst zu schaffen. Der Weltrekord liegt übrigens bei 303,506 Kilometer. Den hat 1997 Yiannis Kouros aufgestellt - ein Grieche.

Beim Ultralauf gibt es aber auch andere Varianten. Machst du die auch?

Es gibt auch Strecken von einem Punkt zum anderen. Hauptsache, die Distanz ist länger als der Marathon mit seinen klassischen 42,195 Kilometern. Üblich sind Distanzen ab 50 Kilometer. Mein erster Ultramarathon war 2012 eine 72-Kilometer-Strecke beim Rennsteiglauf.

Wie bist du zum Extremläufer geworden?

Über den Schulsport bei Erfurt und dann in Frankfurt am Main habe ich meine Begeisterung fürs Laufen entdeckt und bald leistungsmäßig auf die Strecke gebracht - erst Crossläufe, später die 42,195 Kilometer. Nach etwa 15 Marathons fand ich das langweilig und suchte neue Herausforderungen, um meine Grenzen auszutesten. Inzwischen nehme ich im Jahr an drei bis vier Ultra-Läufen teil. Ich laufe einfach total gern. Es ist meine natürliche Daseinsform.

Wie sieht dein Training aus?

Um in Form zu bleiben, mache ich in der Woche 80 bis 100 Kilometer. Zehn bis zwölf Wochen vor einem Wettkampf fange ich mit Krafttraining für den Oberkörper an. Drei bis vier Wochen vor dem Ultralauf steigere ich mich auf gut 200 Kilometer pro Woche und laufe einmalig 80 Kilometer am Stück. Dieses Jahr habe ich mir dafür eine Strecke von St. Pauli zur LUNGE Manufaktur in Düssin (Mecklenburg-Vorpommern) ausgesucht. Das war landschaftlich sehr reizvoll.

Wie ernährst du dich vor und im Wettkampf?

Normalerweise esse ich gesunde Mischkost, aber gern auch Süßes wie Schokolade oder Kuchen. Da komme ich pro Tag so auf 2500 bis 3000 Kalorien. Zehn bis zwölf Wochen vor einem Ultralauf reduziere ich die Kohlenhydrate und halte mich an die „F-AS-T-Formel“ von Dr. Wolfgang Feil, nehme also mehr Fett und Eiweißhaltiges zu mir. Während des Ultralaufs esse ich jede Stunde eine Kartoffel und trinke insgesamt sechs bis sieben Liter „Buffer“, ein Leistungsgetränk mit Kohlenhydraten, Vitaminen, Mineralien und Eiweiß. Das hat auch LUNGE DER LAUFLADEN im Sortiment.

Marathonis kennen den Flow, das Läufer-High und bei Kilometer 30 den Mann mit dem Hammer. Das letzte Drittel ist oft ein Kampf mit dem Körper. Was hast du für Phasen bei deinen extremen Langstrecken?

Ich visualisiere von Anfang an meine Ziele, versuche ansonsten, den Kopf auszuschalten und den Lauf einfach zu genießen und durchzuziehen. Bis Stunde 15 oder 18 bin ich durchaus im Flow und spüre auch mal echte Hochgefühle. Doch ab da wird es schwierig. Man kann sich nicht mehr so fokussieren. Der Kopf sagt: „Hör auf!“, obwohl der Körper noch kann. Nach 20 Stunden geht’s darum ans Taktieren. Wo stehen die Gegner? Kann ich schon ins Gehen wechseln, oder muss ich weiter laufen?

Job und Privates - lässt sich das mit deinem zeitintensiven Training vereinbaren?

Ich laufe oft zur Arbeit in die Filiale in der Fuhlsbüttler Straße oder abends zurück. Längere Stecken absolviere ich am Wochenende oder an einem freien Tag. Meine langjährige Freundin läuft zwar nicht, unterstützt mich aber und ist sogar offizielle Betreuerin bei meinen Wettkämpfen.

Und wie erholst du dich nach einem Ultralauf?

Körperlich schneller als geistig. Das heißt, eine Woche habe ich starken Muskelkater. Nach spätestens zwei Tagen bin ich aber wieder alltagstauglich. Zwei bis drei Wochen mache ich überhaupt keinen Sport. Die Lust am Laufen ist dann tatsächlich erstmal komplett weg. Die meldet sich erst so nach ein bis zwei Monaten. Dann geht’s wieder los.

TIPP: Mit der App STRAVA könnt ihr Marcels (Trainings-)Läufe verfolgen und sogar mit euren Trainingseinheiten vergleichen.

Termine für Ultraläufe in Deutschland findet ihr hier:

Deutsche Ultramarathon-Vereinigung

Termine Ultraläufe bei HD Sports