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Laufen

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Einleitung


Der Mensch bewegt sich durch den Vorgang des Laufens fort. Wir brauchen Jahre, um die Technik des Laufens zu erlernen. Und der Tag, an dem ein Mensch seinen ersten selbstständigen Schritt macht, gehört zu den bedeutendsten seines Lebens. Laufen ist nach wie vor in Mode und gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten unserer Zivilisation. Der Laufsport fasziniert alle Altersgruppen, Leistungsklassen und Bevölkerungsschichten. Nicht nur dank der vielen Volksläufe und Marathons mit bis zu 40.000 Läufern boomt diese Sportart mehr denn je.


Leider erlangt das Laufen auch dann wieder größere Aufmerksamkeit, wenn es nicht mehr funktioniert oder der Bewegungsablauf gestört ist. Hier zeigt sich meist auf schmerzvolle Art und Weise, welche immense Bedeutung dem beschwerdefreien Bewegungsablauf zukommt und wie sehr er das alltägliche und sportliche Leben beeinflusst.


In Deutschland kommt es jährlich zu rund 1,5 Millionen Sportverletzungen, die therapiert werden müssen. Nach Fußball, Ski alpin und Inline-Skating ist der Laufsport am häufigsten von Sportverletzungen betroffen. Signifikant ist die Verteilung auf die untere Extremität, wo das Sprunggelenk und das Kniegelenk am anfälligsten sind.


Von einer Zunahme des Anteils des Laufsports an den auftretenden Sportverletzungen ist durch den Boom dieser Sportart in den vergangenen Jahren auszugehen. Laufsportverwandte Sportarten wie etwa das Walking sollten hier aufgrund der ähnlichen Bewegungsabläufe hinzugezählt werden.


Der Fuß des Läufers


Der menschliche Fuß besteht aus 28 Knochen, 31 eigenen Gelenken und 23 Muskeln sowie zahlreichen Sehnen und Bändern. Doch finden die Füße des Menschen leider wenig Beachtung, sind sie doch meist verborgen in Socken und Schuhen. Dabei sind die Füße das zentrale Bindeelement des Menschen zur Erde und Mittelpunkt unseres Selbstverständnisses als aufrecht gehendes Wesen. Vergleichbar mit der Komplexität der Hand, befähigt uns der Fuß durch seine einzigartige Struktur zu vielfältigen Bewegungen vom Springen hin zum Treten oder eben Laufen und hält hierbei starken Belastungen stand. Im Gegensatz zur oberen Extremität nehmen die Beweglichkeit sowie die Bewegungsfreiheit der Gelenke der unteren Extremität von oben nach unten deutlich ab, da sie vorwiegend statische Funktionen erfüllen müssen. Bemerkenswert hierbei ist, dass die knöchernen Anteile des Fußes bei näherer Betrachtung, abgesehen vom Fersen- und Sprungbein, eher zierlich geraten sind.


Anatomie des Fußes


Der Bauplan des Fußes ist vor allem dadurch charakterisiert, dass die hinteren Knochen übereinander und die vorderen nebeneinander angeordnet sind. Die Einteilung in Fußwurzel (Tarsus), Mittelfuß (Metatarsus) sowie Zehen (Digiti pedis) gleicht der der Hand. Die Fußwurzel, bestehend aus sieben Fußwurzelknochen, ist aufgrund hoher Beanspruchung kräftig gebaut. Als Verbindung zum Unterschenkel dient das Sprungbein, welches in Kopf (Caput), Hals (Collum) und Körper (Corpus) unterteilt wird. Zusammen mit Schien- (Tibia) und Wadenbein (Fibula) sowie Fersen- und Kahnbein bildet dieser Knochen das obere und untere Sprunggelenk.


Durch die Anordnung der Fußknochen ergeben sich ein medialer und ein lateraler Strahl. Der mediale Strahl beginnt mit dem Sprungbein (Talus), das direkt auf dem Fersenbein (Calcaneus) sitzt und distal mit dem Kahnbein (Os naviculare) verbunden ist. Komplettiert wird der mediale Strahl durch die drei Keilbeine (Ossa cuneiformia), denen die Mittelfußknochen (Ossa metatarsalia I–III) angeschlossen sind und in den ersten drei Zehenknochen (Ossa digiti I–III) münden.


Der laterale Strahl hat seinen Ursprung im Fersenbein (Calcaneus) und wird durch das Würfelbein (Os cuboideum), die beiden lateralen Mittelfußknochen (Ossa metatarsalia IV, V) sowie die beiden lateralen Zehenknochen (Ossa digiti IV, V) gebildet. Die Fußwurzelknochen sind über Amphiarthrosen mit den Mittelfußknochen verbunden und ermöglichen so nur federnde Bewegungen. Dies ist vor allem wichtig, um den Druck bzw. die Kräfte zu amortisieren, die bei Belastungen entstehen. Außerdem wird durch die Anordnung der Fußwurzelknochen (Ossa tarsalia) und der daraus resultierenden Position der Fußstrahlen – der mediale Fußstrahl ist schräg auf dem lateralen gelagert – eine Ausbildung der Fußgewölbe (Längs- und Quergewölbe) erreicht, die bei dynamischen Bewegungen von besonderer Bedeutung ist. Das Längsgewölbe ergibt sich aus dem Verlauf des medialen Fußstrahls, wobei im Gegensatz zum lateralen Strahl, der in seinem gesamten Verlauf auf dem Boden aufliegt, nur das Fersenbein (Calcaneus) und das Zehengrundgelenk Bodenkontakt haben.


Durch die Überlagerung der beiden Fußstrahlen und die besondere Anordnung der Keilbeine und des Würfelbeins ergibt sich die Querwölbung.


Aufgrund der besonderen Konstruktionsweise des Fußes hat er verschiedenste Funktionen, von denen einige für den störungsfreien Bewegungsablauf beim Laufen unentbehrlich sind. Die Funktionen sollen im Einzelnen vorgestellt, jedoch nicht näher erläutert oder in ihrer Signifikanz hinsichtlich der Bewegungsanalysen bewertet werden:


Torsionsfunktion

Trotz der außergewöhnlichen Festigkeit des Fußskeletts sind Vor- und Rückfuß in mehreren Dimensionen unabhängig voneinander bewegbar.


Dämpfungsfunktion

Das subkutane Fettgewebe der Fußsohle wirkt wie ein Dämpfungskissen, das Druck aufnimmt und großflächig verteilt. Zudem sind die Gewölbe des Fußes und die Verbindung der einzelnen Knochen im Fuß hervorragend geeignet, um Druck- und Kraftspitzen zu reduzieren.


Formbeständigkeitsfunktion

Das knöcherne Skelett mit seinen Amphiarthrosen sowie Bandhaften ist, unterstützt durch Bindegewebsstrukturen, zu starken Verformungen in der Lage, um im Anschluss zum Ursprungszustand zurückzukehren.


Stützfunktion

Das gesamte Körpergewicht lastet auf der kleinen Fläche des Fußes und muss durch ihn gestützt und getragen werden. In Phasen sportlicher Anstrengung kommt es häufig zu einer Belastung, die ein Vielfaches des Körpergewichts beträgt.


Bodenhaftungsfunktion

Durch das Zusammenspiel der Haut mit der Fußsohle, den Sehnen, Knochen und Muskeln ist der Fuß in der Lage, sich optimal an die jeweilige Oberfläche anzupassen.


Stabilitätsfunktion

Die geometrische Form des Fußes verhindert zu starke Pronations- und Supinationsbewegungen. Bänder, Sehnen und Muskeln wahren die Statik und geben dem Fuß in lateraler sowie horizontaler Richtung Halt. Die Verspannung durch die Plantaraponeurose hält das Längsgewölbe und schützt gleichzeitig die darunterliegenden Strukturen vor mechanischen Einflüssen von außen.


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