Test - Wie läuft sich der neue Nike Epic React?

Unser Kollege Lothar Ruth, Filailleiter in der Hamburger Innenstadt-Filiale in der Ferdinandstraße, hat sich den neuen Nike Epic React ganz genau angeschaut. Im Lauflabor der Firma Currex gab es einen ausführlichen Test. Hier sind seine Eindrücke und Ergebnisse:


"Mit dem Epic React Flyknit führt Nike nicht nur ein neues Laufschuhmodell ein, sondern auch einen neuen Schaum: den React. Laut Herstelleraussage soll er „reaktionsfreudig, aber dennoch leicht; strapazierfähig und dennoch weich“ sein. Bewerkstelligt werden soll dies mit verschiedenen Materialdicken, je nachdem, wie viel Druck laut Messungen bei Läufern im jeweiligen Aufsatzbereich des Fußes herrscht. Die Mittel- und Außensohle ist ohne Träger- oder Verbindungsmaterial gefertigt. Sie besteht aus einem Guss. Eine Konstruktion, die laut Nike die Energierückgabe (engl.: "energy return") beim Abstoßen vom Boden um 13 Prozent verbessern soll.

Zeit wurde es, dass Nike in Sachen Sohlenkonstruktion aktiv wird. Während Adidas mit dem Boost-Schaum Maßstäbe setzte, und andere Hersteller wie Saucony mit Everun und Asics mit Flytefoam nachzogen, löste Nikes Lunarlon-Schaum keine Begeisterungsstürme aus. Entsprechend gespannt (und skeptisch) war ich, als ich den Schuh endlich in Händen hielt – beziehungsweise an den Füßen hatte. Der Epic React Flyknit ist ein Topmodell, die React-Technologie soll aber nach und nach auch in günstigere Modelle einfließen.

     (Nike Epic React Flyknit)

     (Nike Vaporfly 4%)

Der erste Eindruck war gut: Für einen grundstabilen Schuh ist der Epic React Flyknit sehr komfortabel, sagenhaft leicht und absolut hochwertig verarbeitet. Ein Top-Niveau, das nur wenige Hersteller bei ihren Spitzenmodellen erreichen. Um zu testen, ob und in welchem Maß der React-Schaum hält, was Nike verspricht, ging es danach ins Lauflabor zu Currex in Hamburg – mit einer Tasche voller Vergleichsschuhe, um auf dem sog. "Motion Metrix" harte Fakten zu schaffen.

Motion Metrix ist ein relativ neues schwedisches System zur Bewegungsanalyse, das ohne Markierungen funktioniert. Mittels zweier Kinect-Kameras erstellt es ein 3D-Modell des Körpers, mithilfe dessen das Programm die Belastung auf die Gelenke und die Energie berechnen kann, die nötig ist, um ein Kilogramm Körpergewicht einen Meter zu bewegen.

     (MotionMetrix-Analyse)

     (MotionMetrix-Analyse - Ergonomie und Ökonomie)

Ich habe die unterschiedlichen Schuhe bei einer Geschwindigkeit von 12km/h und den Nike Vaporfly 4%, einen der schnellsten Nike-Schuhe, bei 16 km/h und – aufgrund des großen Unterschieds im Ergebnis – auch noch bei 10km/h getestet. Das Ergebnis: Der Epic React war nur 1,6 Prozent langsamer als der „Vaporfly 4%“. Eindrucksvoll, aber im Schnitt nicht besser als die anderen Premium-Dämpfungsschuhe im Test.

Auch in puncto Gelenkbelastung war der React nicht besser als die Konkurrenz – allerdings auch nicht schlechter. In meinem Fall lag dies daran, dass ich im Epic React Flyknit den Fuß unbewusst weit vor dem Körperschwerpunkt aufgesetzt habe und dadurch die Bremskraft anstieg. Anders wäre das Ergebnis vermutlich ausgefallen, wenn ich vorbelastet nach 20 km gemessen hätte, da dann der Fußaufsatz bei allen Schuhen ähnlich gewesen wäre. Also kein Grund, den Schuh oder die Messwerte grundsätzlich zu verteufeln.

Denn ein Schaum, egal wie viel Energie er auch speichern kann, wird niemanden schneller laufen lassen – der Tempounterschied zwischen den Testschuhen betrug gerade einmal 1,6 Prozent – oder die Gelenkbelastung reduzieren. Es kommt immer auf den Laufstil an. Und dabei hilft kein Schuh, sondern nur ein gezieltes Training der Rumpfmuskulatur und eine Verbesserung der Lauftechnik.

     (MotionMetrix-Analyse - Kniebelastung)

     (MotionMetrix-Analyse - Schritteigenschaften)

Fazit: Alles in allem läuft sich der Epic React Flyknit viel besser als die durchschnittlichen Messwerte das wiedergeben könnten. Er ist deutlich universeller einsetzbar als sein Vorgänger (Lunarlon), seine Stärke liegt aber klar auf der Straße und befestigten Wald- und Parkwegen. Eine interessante Bereicherung des Marktes – allerdings nichts für sehr schwere Läufer oder solche mit starken Fehlstellungen."