Ragnar Wattenmeer 2019. Eine Retrospektive.

Raus aus der schönsten Stadt der Welt und 250km rüber zum vielleicht bekanntesten Nordseeküstenstrand

Christian, der Gewinner unseres Gewinnspiels zum Reebok Ragnar Wattenmeer-Stafelllaufs, schaut zurück auf ein unvergessliches Wochenende zwischen Hamburg und Sankt Peter-Ording:

"Das Reebok Ragnar Wattenmeer ist etwas Besonderes. So wie vielleicht alle Staffelrennen im Portfolio von Ragnar. Ein wenig hatte ich schon von der Premiere im Vorjahr mitbekommen, nicht viel mehr allerdings als den groben Ablauf und die in 2018 recht norddeutsch-nassen Wetterverhältnisse. Für mich war die Teilnahme im Reebok-Team bei der diesjährigen Ausrichtung etwas völlig Neues, Unbekanntes, Reizendes. Vieles hatte ich zuvor schon ausprobiert: Kurze, lange oder auch stark profilierte Läufe, Hindernisläufe (übrigens der Grund warum ich mit dem ganzen Ausdauerkram überhaupt anfing), Radrennen, Triathlon. Aber dieses Event sollte erneut einen ganz eigenen, neuen Platz im Schrank der Erfahrungen einnehmen. Eine Zeitreise zum vielleicht unterhaltsamsten und gleichzeitig fordernsten Wochenende der letzten Jahre.

Das Event und warum es anders ist als alles Bekannte

Der Klassiker ist ja: Du gehst zu einem beliebigen gemeldeten (Volks-) Lauf, holst die Startunterlagen ab, befestigst die Startnummer am Laufshirt und dann kann’s auch schon losgehen. Lockeres Einlaufen, rein in den Startblock und ab. Du gegen dich und die Zeit. Und gegen andere Athleten - natürlich. Aber im ersten Moment machst du diesen Lauf für dich selbst, für deine eigenen persönlich gesteckten Ziele an dem konkreten Tag.

Geschafft! Im Hinterzielbereich erhältst du deine Medaille, schüttelst oder High-Fivest fix ein paar Hände von Mitstreitern, wechselst drei Sätze darüber wie schön das doch alles ist und fährst ungeduscht nach Haus.

Anders beim Reebok Ragnar Team-Staffel-Wettkampf. Und zwar alles. Plötzlich läufst du im Team, für das Team. Immer noch gegen andere, klar. Aber in der Hauptsache für dein Team und das gemeinsame Ergebnis. Und du läufst mehrfach, im Abstand von einigen Stunden unterschiedliche Distanzen. Reebok Ragnar Relays sind Übernacht-Läufe für 5er oder 10er Teams. Insgesamt 250km von Hamburg nach St. Peter-Ording an der Nordseeküste sind zu bewältigen. Die Logistik und den Zeitaufwand hierbei habe ich im Vorfeld völlig unterschätzt. Denn plötzlich geht so ein Rennen von Freitag bis Sonntagnachmittag. Und dies zollt irgendwann seinen Tribut, aber hierzu später mehr.

Die Vorbereitung

…beginnt hierfür in unserem Fall schon am Freitag. Um die 10 Läufer unseres Teams Stück für Stück weiter in Richtung Nordseeküste zu bewegen und an den jeweiligen Wechselpunkten einzusammeln bzw. auszusetzen stehen zwei Vans bereit für je 5 Läufer. Schwarz. Langweilig-Schwarz. Zeit dies zu ändern! Ragnar-Teams erkennen sich einander unterwegs vor allem durch aufwändig umgestaltete Fahrzeuge. Und für uns als Team war dies eine tolle Gelegenheit sich ein erstes Mal für das Rennen einzustimmen und kennen zu lernen. Schließlich würde man wenig später fast 24 Stunden zusammen auf engstem Raum verbringen. Etwas, wozu ich vor dem Rennen keinen einzigen Gedanken verschwendet hatte.


Nach der Abstimmung der Teamstrategie und vernünftigem Carbo-Loading ist nun alles bereit für den Start am kommenden Tag.

Aber ist dem wirklich so? Ein weiterer Check der Autos: Liegen genügend Sicherheitswesten, Vorder- wie Rücklichter bereit für die Läufe in der Nacht? Verpflegung komplett? Schlafsäcke? (Dass wir diesen nie benötigen werden verschweigen wir an der Stelle.)

Alles auf Start.

Der Start des Rennens erfolgte am Fischmarkt in Hamburg in zahlreichen Wellen von 11 Uhr bis 15 Uhr am Samstag. Hier beruht die Reihenfolge auf einer einfachen Kalkulation: Teams die zur Bewältigung der 250km langen Strecke tendenziell mehr Zeit benötigen starten früher am Tag. Eines der Ziele hierbei ist sicherlich, dass die Läufer in den späteren Abschnitten des Rennens nicht zu früh an den Wechselpunkten ankommen, wo noch keiner bereit ist. Auch dies war logistisch bemerkenswert, diesmal mit der Brille des Veranstalters: Es galt, insgesamt 28 Wechselpunkte bereitzustellen und zu besetzen. Auch dies in der Nacht und beispielsweise auf abgelegenen Deichgebieten ohne jegliche Infrastruktur, wo der Wind ordentlich pfeift.

Unser Team startete um 15 Uhr in der letzten Welle. Außentemperatur ca. 30 Grad. Ganz anders als ich es vom Vorjahr in Erinnerung hatte.

4,5km, 7,1km, 17km

Sofort nach dem Start war direkt Eile geboten und das Team im Modus. Denn es galt so schnell es geht zum ersten Wechselpunkt in der Stadt zu gelangen um den nächsten Läufer auf die Reise zu schicken. Unsere Aufteilung war wie folgt: Läufer 1-5 in Van 1, die anderen 5 in Van 2. Dieser Van musste direkt weiterfahren zu Wechselpunkt weit außerhalb Hamburgs, bei dem unser 5. Läufer wenige Stunden später seinen Lauf beenden würde. Und dieses Vorgehen sollte sich dann wechselseitig für die Zeit bis zum Ziel immer wiederholen. Wenn der zehnte Läufer fertig war ist der erste Läufer aus Van 1 wieder ins Renngeschehen eingetreten, Van 2 hatte eine kurze Verschnaufpause, musste aber auch immer schon zum Wechselpunkt 5 Schritte weiter fahren um dort einsatzbereit zu sein.

Als zweiter Läufer des Teams hatten meine „eigenen“ Abschnitte die Nummern 2, 12 und 22. Als Hamburger ließ sich die 4,5km lange Auftaktstrecke durch die Stadt prima bewältigen.

Auf der 7,1km langen Strecke irgendwo am Deich hinter Glückstadt ließ ich mich von der Teameuphorie anstecken und gab ordentlich Gas, Uhrzeit inzwischen: 21:42 Uhr. Längst war die Dunkelheit über Schleswig-Holstein eingebrochen und außer ein paar Schafen war in dem Lichtkegel meiner Stirnlampe nichts sichtbar außer sich regelmäßig mit hoher Frequenz fortbewegende Reebok Schuhe.

Mit einer Strecke von 17km hatte ich dann das zweifelhafte Vergnügen, die längste Einzelstrecke des Reebok Ragnar Wattenmeer laufen zu „dürfen“. Soweit gut, dachte ich im Vorhinein, schließlich war ich selbst im Marathontraining und konnte diesen Lauf prima auf eine Einheit mit 2x 7km Wettkampftempo und 3km lockerem Lauf zwischen diesen Blöcken aufteilen. Dass dieser Lauf aber erst um 3:56 Uhr am Sonntag starten würde war mir vorher mit Sicherheit so nicht bewusst. Das Energielevel war trotz Schlafmangel erfreulicherweise noch hoch und so endete um kurz nach 5 Uhr nach ca. 2 Stunden Gesamtlaufzeit mein eigenes Ragnar Lauferlebnis mit einer erfolgreichen Übergabe an unsere nächste Läuferin."

Im zweiten Teil seines Rückblicks auf Ragnar Wattenmeer 2019 wird Christian von der Teamleistung und der guten Stimmung berichten. Er verrät auch, ob er wieder daran teilnehmen würde und was er über sich und den Laufsport gelernt hat.