Ragnar Wattenmeer 2019. Eine Retrospektive. Teil 2

Raus aus der schönsten Stadt der Welt und 250km rüber zum vielleicht bekanntesten Nordseeküstenstrand

Im ersten Teil seiner Retrospektive zum Reebok Ragnar Wattenmeer-Stafelllauf berichtete Christian, der Gewinner unseres Gewinnspiels, von den Besonderheiten einer zehnköpfigen Staffel, Laufen im Dunkeln und kurzen Verschnaufpausen im Van. Im folgenden zweiten und letzten Teil erreicht die Staffel das Ziel und Christian stellt sich die Frage, ob er nächstes Mal wieder teilnehmen möchte.

Und in den anderen 1000 Minuten?

"Unser Team benötigte zur Bewältigung der Strecke 19:08 Stunden. Kein anderes Team sollte in diesem Jahr schneller sein. Aber diese schnelle Zielzeit hatte auch seinen Preis: Durch eine klasse Besetzung und eine ideale Teamstrategie blieben beiden Vans am Ende kaum Erholungspausen, insbesondere in der Nacht. Die Nachtruhe (richtiger Schlaf war einfach nicht drin) unseres Vans belief sich auf insgesamt wenig über einer Stunde. Zu dieser Zeit prasselte durchgängig Regen auf das Dach unseres Autos. Die einzige Schlechtwetterphase des Wochenendes fiel somit auf die Einsatzzeit des anderen Vans. Die Stimmung in unserer Kommunikations-Gruppe war dennoch zu jeder Zeit des langen Wochenendes grandios. Vermutlich auch mit hervorgerufen durch den Umstand, dass wir im Tracking jederzeit mitverfolgen konnten wie der Abstand zu den Verfolgerteams hinsichtlich der erwarteten Ankunft im Ziel immer auf einem gesunden Mehrminuten-Zeitpuffer blieb.


Für mich macht das Ragnar-Erlebnis vor allem auch die Zeit aus, die man nicht selbst laufend verbringt. So vieles passiert in dieser Zeit während du auf deinen nächsten Einsatz wartest: Läufer werden ausgesetzt, irgendwo wieder eingesammelt, es muss navigiert werden. Die Ernährung spielt in diesen 1000 Minuten (ca. 17 Stunden) ebenfalls eine entscheidende Rolle, schließlich muss später wieder Leistung abgerufen werden.

Moin, St. Peter! Runners High.

Als zweites Team insgesamt überlaufen wir geschlossen die Ziellinie. Geschafft! Eine kräftezehrende, lustige Reise durch die Nacht in den Sonnenaufgang liegt hinter uns, wir sind da. Zu dieser Zeit ist das vor Stunden noch ruhige St. Peter langsam erwacht. Die Buden im Hinterzielbereich werden nach und nach mehr frequentiert, genau wie der Massagebereich. Jetzt wäre es doch eigentlich an der Zeit runterzufahren und müde zu sein. Keine Spur! Die letzten Stunden haben so viele Eindrücke hinterlassen dass für Müdigkeit gerade noch kein Thema ist. Nach und nach überqueren mehr Teams die Ziellinie und werden vom Moderator und Zuschauern wie anderen Teilnehmern im Ziel begrüßt. Wieder High Fives, wieder Gespräche. Aber nicht von Athlet zu Athlet sondern von Team zu Team. Und dies ist eines der unersetzlichen und einzigartigen Vorteile des Reebok Ragnar Wattenmeer.

Navigation zurück zum Start

Nach dem Rennen fährt uns ein Shuttle Bus zurück nach Hamburg. Die Stimmung in unserem Team? Immer noch super. Nur verhaltener. Nun wird das Event verarbeitet, die fehlende Nacht macht sich langsam bemerkbar. Zäh werden die letzten Kilometer in die Stadt hinein, ein unnötiger Stau verzögert das Ende dieses Abenteuers weiter. Das Adrenalinlevel welches eigentlich seit Start bis Abfahrt des Busses permanent vorhanden war, ist völlig verflogen. In der U-Bahn vom Hauptbahnhof nach Hause erreichen mich die ersten Fotos vom Wochenende, Laufbilder vom Samstag, Photos mit Blitz aus der Wechselzone in der Nacht, Zieleinlauf. Langlebige Erinnerungen an ein Rennen, wie man es mal gemacht haben sollte: Für den Spaß, die Herausforderung, ein ganz klein bisschen für sich selbst,  ganz sicher für das Team.

Zurückspulen und noch mal neu?

Ich habe an diesen 2,5 Tagen viel gelernt. Über Menschen, über den Sport, den Teamzusammenhalt, Motivation (in der Gruppe), am Ende auch wieder etwas über den eigenen Körper, Logistik, Technik, Schafe.

Könnte ich zurückspulen und noch mal neu starten - Ich würde, denke ich heute, nichts groß anders machen als in dieser naiven Premiere. Würde ich es grundsätzlich neu versuchen? Klares: JA.

Aus.

Mit einer Erkenntnis gehe ich aus diesem Wettkampfwochenende heraus: Am Ende machen wir den Sport zwar immer noch für uns. Aber die Menschen spielen in dem, was wir hieran lieben, eine wesentliche, wenn nicht die wichtigste Rolle. Sie sind diejenigen, die den einzelnen Wettkampf, die Reise, das Event besonders machen. Und dabei ist es dann fast egal, ob es sich um die Person bei der Startnummernausgabe handelt oder das Teammitglied Nummer 7, das gerade draußen im Regen versucht das beste für’s Team zu leisten.

Selten ist man so plötzlich und intensiv veranlasst miteinander auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten wie beim Reebok Ragnar Wattenmeer. Und selten hatte ich so viel Spaß mit mir vorher völlig unbekannten Menschen. Diese Begegnungen sind es, die ich als wohl beeindruckendste Geschichte des Wochenendes für mich mitnehme. Danke, Wegbegleiter."